Gebisslose Zäumungen und ihre Wirkung #1

Gebisslose Zäumungen und ihre Wirkung - Überblick

Hey Freunde des Pferdesports!

Heute mal ein informativer Beitrag zum Thema gebisslose Zäumungen. Einige davon kennt ihr vielleicht schon, andere werden euch gänzlich neu vorkommen. Es handelt sich hierbei nur um einen kleinen Überblick, aber ich werde alle großen Gruppen vorstellen. Hier also der erste Teil, der zweite folgt demnächst.

Bosal

BosalBild von dintera auf Pixabay

Das Bosal ist eine ursprünglich altkalifornische Zäumung, der Begriff Bosal steht hierbei nur für das Nasenstück, das extra ans Pferd angepasst wird. Die komplette Zäumung bezeichnet man als Hackamore, allerdings gibt es auch noch eine andere Zäumung, die Hackamore genannt wird, dazu weiter unten mehr.

Das Bosal ist gerade in der Jungpferdeausbildung beliebt, um das Pferd mit einem Gebiss nicht unnötig zu behindern. Es ist eher als sehr sanfter Zaum einzustufen, da die eigentliche Lenkung über das Gewicht bzw. wie beim Neckreining erfolgt: Legt man den linken Zügel an den Pferdehals an, dann weicht das Pferd rechts.

Da das Bosal hart ist, gelangen aber auch sehr feine Signale wie ein Zupfen am Zügel direkt an, deshalb sollte man mit dem Bosal nicht am langen Zügel reiten, damit das Pferd nicht überfordert wird.

Sidepull

Sidepul horse

Qualität leider nicht die Beste, danke an Melina von @winni_das_zauberpony auf Instagram!

Das Sidepull ist wie eine normale Trense verwendbar, da es rechts und links einen Ring hat und man somit auch mit dem Zaum und den Zügeln lenken kann. Es funktioniert also im Groben wie auch ein Kappzaum beispielsweise.

Hackamore

HackamoreBild von rodrigopapadio auf Pixabay

Die Hackamore ist ein Oberbegriff für zwei verschiedene Zäumungen: Die klassische Hackamore (Bosal, siehe oben) und die mechanische Hackamore.

Die mechanische Hackamore ist auch oben im Beitragsbild zu sehen, sie ist oft im Springsport anzutreffen. Die Hackamore wirkt sehr stark auf die Pferdenase ein, da sie wie ein Hebel funktioniert: Beim Annehmen des Zügels wird ein Vielfaches dieses Drucks auf die Pferdenase übertragen. Deshalb sollte diese Zäumung niemals zu tief verschnallt werden, sonst droht ein Nasenbeinbruch.

Im Grunde funktioniert die Hackamore also wie eine Kandare, nur ohne Gebiss. Dennoch ist diese gebisslose Zäumung genauso scharf oder sogar schärfer als eine Kandare – gebisslos ist also nicht zwingend besser.

Die Hebel gibt es gebogen und gerade und in verschiedenen Längen, also in der sanfteren (aber trotzdem scharfen) Variante und in der extremen Variante. Wichtig deshalb fürs Reiten mit der Hackamore: Der Zügel sollte niemals komplett angenommen sein und nach Möglichkeit immer locker sein. Solltest du mit deinem Pferd fein gebisslos und einhändig „auf Kandare“ reiten können, ist das Hackamore jedoch eine gute Wahl.

Außerdem wichtig: Mit der Hackamore kannst du nicht lenken, deshalb sollte dein Pferd gut auf Gewicht und Neckreining reagieren, wenn du damit reiten willst.

LG-Zaum oder Glücksrad

Pferd mit LP-Zaum/GlücksradBild von Couleur auf Pixabay

Das Glücksrad oder auch der LG-Zaum wirkt je nachdem, wo die Zügel eingeschnallt sind, mehr oder weniger scharf. Bei Richtung Pferdenase eingeschnallten Zügeln ist die Hebelwirkung des Glücksrads sehr stark, wohingegen eine Verschnallung der Zügel Richtung Reiterhand ähnlich sanft wie ein Sidepull wirkt.

Das Glücksrad gibt es in verschiedenen Ausführungen, teilweise auch mit zusätzlicher Hackamore-Funktion.

Knotenhalfter

Bolero mit Knotenhalfter

Die Nutzung des Knotenhalfters wie auf dem Foto zu sehen funktioniert wie bei einem Bosal, die Lenkung erfolgt hierbei über das Neckreining – denn Lenken mit den Knoten des Halfters ist meiner Meinung nach nicht sonderlich angenehm fürs Pferd, schließlich liegen die Knoten direkt auf den Nervenknotenpunkten am Pferdekopf und bei direktem Druck kann das ganz schön wehtun.

Das Knotenhalfter ist hier jedoch eine schöne Alternative zum Bosal, da die Signale auch hier sehr fein ankommen. Dauerhaftes Reiten mit einem Knotenhalfter empfehle ich nicht, da es einfach keine gute Zäumung ersetzt und in der Hilfengebung sehr schwammig sein kann. Außerdem können grobe Reiterhände das Pferd sehr schnell verletzen.

Kappzaum

Bolero mit Kappzaum

Der Kappzaum (egal ob mit oder ohne Naseneisen) wird ähnlich wie das Sidepull genutzt, hierbei kann man konstante Anlehnung erzeugen und Biegung fördern. Der Kappzaum sollte ebenfalls nicht zu tief verschnallt werden, hat aber keine Hebelwirkung und ist somit nicht so scharf.

Ich würde den Kappzaum von der Wirkung her mit einer einfachen Wassertrense vergleichen, denn er ist vielseitig in seiner Anwendung. Kappzäume ohne Eisen verzeihen allerdings eher unruhige Hände oder mal ein, zwei falsche Paraden.


Danke an Petra von Pferdeflüsterei – bei ihr konnte ich mich zusätzlich über die vielen Zäumungen informieren. 🙂

Welche Zäumung nutzt ihr?

Hier geht´s zu Teil 2 (noch nicht online)

PS: Die verpeilten Tage der Augustchallenge werden in den September gelegt, keine Sorge!

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