Das wunderbare Gefühl von Freiheit…

mit pferd im See baden Bolero Indianerpony

Kennt ihr das, wenn ihr als Kinder mit ausgestreckten Armen über eine Wiese gerannt seit, den Wind in den Haaren und ein Leuchten in den Augen, das selbst die dunkelste Nacht erhellen könnte? Könnt ihr diese Freude spüren, dieses tiefe, unbeschreibbare Gefühl von Glück, Vertrauen und Liebe, das in euch pulsiert?

Wenn ja, dann könnt ihr jetzt fühlen, wie es mir geht, wenn ich mit Bolero Freiarbeit mache. Es ist einfach ein unglaublicher Vertrauensbeweis seinerseits, trotz keinerlei physischer Verbindung wie einem Strick etc bei mir zu bleiben und auf feinste Signale und Körpersprache zu reagieren, anstatt am anderen Ende der Wiese zu stehen und zu grasen. Er zeigt mir damit, wie sehr er mit mir arbeiten will und wie viel Freude auch er dabei hat. Es wird deutlich, dass er freiwillig mit mir arbeitet und das ist ein riesiges Geschenk.

Um das zu verstehen, müssen wir vielleicht ein wenig in der Zeit zurückreisen, genauer gesagt etwa 4 Monate. Ende März 2019 – Bolero gehört mir zwar erst seit dem 01.05. , aber ich war vorher schon Reitbeteiligung und habe dementsprechend viel mit ihm gearbeitet. Ende März habe ich auch immer mehr „Freiarbeit“ (Ich traue mich gar nicht, das so zu nennen…) in unser Training integriert, wobei man eigentlich mehr von der Hoffnung reden kann, dass man den Reitplatz ordentlich verschlossen hat. Bolero war unglaublich unmotiviert, ist kaum getrabt, egal wie sehr ich ihn animiert habe, war immer 1-2m hinter mir und auf Signale mit der Gerte oder einfach so drehte er plötzlich ab und lief los Richtung Reitplatztor. Er ließ sich dabei auch nicht aufhalten, im Gegenteil: Wenn ich ihm hinterherlief, wurde er sogar noch schneller. Lange Zeit war das unsere „Freiarbeit“: Ein wenig unmotiviertes Mir-hinterher-trotten über den Platz und dann einfach gehen, wenn ihm danach war. Wenn du interessiert bist, gibt´s hier auch ein kurzes Video aus dieser Zeit.

Als die Pferde auf die Sommerkoppel umzogen und der Weg zum Reitplatz zu lang wurde, fing ich an, mit ihm auf der großen Wiese vor der Koppel zu arbeiten. Auch hier mischte sich langsam Freiarbeit in unser Programm, allerdings nicht in Form von Arbeit, sondern in Form von Spiel. Wildes Rennen über die riesige Wiese, auf dem Reitplatz wäre das nie denkbar gewesen. Aber: Ein abrupter Richtungswechsel, eine Gertenbewegung, ein wenig zu viel Energie meinerseits – und er war weg. Auf der großen Wiese war das sogar noch schlimmer, denn er konnte dort ziemlich weit laufen und dann dort entspannt grasen, bis ich irgendwann kam, um ihn einzufangen.

Dennoch habe ich an diesem Punkt nicht aufgegeben, ich habe weitergemacht. Freies Spiel auf der Wiese, fast jedes Mal. Auch wenn es nur mal 30 Sekunden rennen waren, ich habe versucht, möglichst oft etwas derartiges einzubauen, da es ihm total viel Spaß machte und er nicht selten auch einige Freudenbuckler machte.

Einen so wirklichen Durchbruch hatten wir nicht, es hat sich schrittweise etwas verändert, ich habe angefangen, nicht nur wahlloses Rennen, sondern auch mal Schritt oder Trab zu fordern und Bolero war mit jedem Mal ein bisschen mehr bereit, mir meine Wünsche zu erfüllen. Dabei war ich kosequent: Wenn er einmal weggerannt war, dann kam er wieder an den Strick und die Freiarbeits-Session war beendet.

Nebenbei habe ich mit Bodenarbeit versucht, ihn noch sensibler auf Stimme und Körpersprache sowie passive Gertensignale zu trainieren. Er lernte, Schulterherein ohne Berührungshilfen zu gehen, nur durch Körpersprache mit Hand und Gerte. Oder rückwärts. Oder die Hinterhand zu bewegen. Oder von mir den nötigen Abstand zu halten (okay, daran arbeiten wir noch 😉 ). Alles das sind Dinge, die im März bzw. teilweise sogar im Mai nicht denkbar gewesen wären, nicht mal mit direkten Kontakt (Schulterherein zum Beispiel). Dass er solche Dinge nun ohne jegliche Zeichen von Stress oder Schmerzen (Schweif schlagen, schnappen etc) ausführt, obwohl er lange Zeit sehr wohl beide Zeichen deutlich zeigte, das ist für mich nur schwer zu begreifen. Und doch ist es wahr.

Und jetzt kommt das Unglaublichste: Bolero hat heute sowohl spanischen Schritt als auch Schulterherein komplett frei angeboten. Wow. Bei Schulterherein reichte ein leichtes Anheben der Gerte und er reagierte sofort. Aber es sind nicht nur solche Momente, die mir zeigen, was für ein Geschenk er für mich ist. Es ist egal, ob wir mit ausgestreckten Armen zusammen über eine Wiese rennen, er neben mir Freudenbuckler macht, ich auf ihm freihändig über ein Stoppelfeld galoppiere, er neben mir während der Freiarbeit auf einmal den genialsten Dressurtrab vorführt, er mich bei der Bodenarbeit oder auch beim Longieren immer wieder mit neuen Dingen überrascht oder wir einfach zusammen im Gras sitzen (bzw. stehen) und die Stille genießen. Jede Zeit mit und bei diesem Pferd ist quality time. Denn wir beide haben Spaß daran. Und ich bin mir sicher: Wir beide spüren das Glück, das uns umgibt, wenn wir zusammen sind – und jeder, der uns zusieht, wird es auch spüren.

Wie verbringt ihr am liebsten die Zeit mit eurem Pferd/Hund/Katze/… ? Was macht euch so richtig glücklich und erfüllt euch mit purer Freude? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

Für die Statistik: 814 Worte (ohne Statistik), 35 Min. Schreiben, 10 Min. Bild aussuchen, 5 Min. Überarbeiten, 5 Min. Video verlinken. Sind insgesamt 55 Min. – Und du so?

PS: Boleros Seite findest du hier. Dort ist auch unser Social Media verlinkt. Und wenn du mir lieber persönlich Feedback geben möchtest, kommst du hier zum Kontaktformular.

PPS: Ja, na klar, manchmal geht es auch heute noch mit ihm durch und er rennt einfach weiter wenn ich stehen bleibe, aber er rennt nicht mehr zum Ausgang und kommt auch immer wieder von allein an 🙂

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