Rote Rosen

Rote Rosen Kurzgeschichte

Hey ihr Lieben! Da ich heute spontan den Impuls hatte, mich mal wieder am Schreiben einer kleinen Geschichte zu versuchen und mich diese Idee den ganzen Tag lang verfolgte, möchte ich nun das Ergebnis teilen. Denn ich finden wirklich, dass sich diese Kurzgeschichte sehen lassen kann 🙂 Ich rede also nicht weiter um den heißen Brei herum und wünschen euch viel Spaß beim Lesen!

Es regnete seit Stunden. Es regnete und regnete und regnete. Der Himmel war trüb, so wie die Gesichter der Menschen und es schien fast, als würde der Himmel mit ihnen weinen.
Der Pfarrer sprach ein paar Worte, lobte den Herrn für das Wunder, das er mit ihr geschaffen hatte und segnete sie ein letztes Mal. Ein Foto stand vor dem Sarg und zeigte ihr Lachen, strahlend hell und doch so selten gesehen. Einzelne Verwandte kamen nach vorn, hielten sich die Hand vor den Mund, um das panische Zittern zu verbergen und stammelten leise Worte während ihr Schluchzen in den Wänden verhallte. Sie dankten für die schöne Zeit, auch wenn kaum einer wusste, von welcher Zeit sie sprachen. Der Raum war voll mit Menschen, Schatten mit leerem Blick, mit starr nach unten gerichteten Augen. Die Kinder hatte man vorsorglich draußen gelassen, damit sie den schweren Abschied nicht störten. Sowieso, mit den Kindern hatte sie nie viel am Hut gehabt.

Schließlich erhob sich die trübe Masse wie auf einen unsichtbaren Befehl langsam von den Bänken und schwankte mit gesenkten Köpfen zur Tür, wo der Pfarrer bereits wartete. Vier junge Männer, alle in schwarz gekleidet, hoben den Sarg von seiner Erhöhung und schlichen hinter den Menschen her. Die Kinder vor der Tür sprangen auf und ab und sahen das Grauen nicht kommen. Sie spielten Himmel & Hölle und ihre Augen glänzten freudig. Aber über den Menschen, all den Verwandten und Kollegen, Freunden und Angestellten, wabberte die dunkle Wolke, schwer und geheimnisvoll.

Es ist nicht so, als hätten sie nicht versucht, das Gefühl und jene Schwere zu identifizieren, es wollte ihnen nur einfach nicht gelingen. Stumm wartete jeder darauf, dass sie sich entlud und ihr Geheimnis preisgab. Der Regen prasselte unaufhörlich auf sie nieder, die schwarzen Mäntel wurden noch schwärzer und die Tränen vermischten sich mit den Regentropfen. Der Weg war lang und der Matsch klebte an den schwarzen Schuhen und machte das Gehen schwer.

Vor einem nassen Erdloch blieben sie stehen, ein Baum nahe des Grabs bot Schutz vor der kalten Nässe. Die Menschen drängten sich darunter und verschwammen nun endgültig zu einer einzigen schwarzen Masse. Der Pfarrer sprach einige Zeilen eines alten Gebets während die Männer den Sarg hinabließen und verschlossen. Nun traten Teile der Masse vor – sie traten vor und warfen eine rote Rose auf den Sarg und dann eine Handvoll Erde. Rote Rosen hatte sie geliebt, es war eine der wenigen Sachen, die sie geliebt hatte. Das Grab füllte sich mit Dreck und Rosen und der Sarg verschwand. Die Männer begannen wie in Trance, Erde und Schlamm in das Grab zu schütten und die Menschen standen da und schauten. Ob sie geweint haben, wird nur der Regen wissen.

Langsam setzte sich der Trauerzug in Bewegung und bald war die Masse außer Sichtweite. Sie waren nachhause gefahren und würden bereits morgen streiten, wem das Erbe zustand. Die Männer verschlossen das Grab und setzten den eckigen Grabstein, beim Gehen trieften ihre Mäntel und betropften den Weg mit Regen.

Sie lag da, ganz allein, und war irgendwo zwischen Himmel und Erde, schwerelos und so frei. Langsam öffnete sie ihre Augen und atmete ein. Es war dunkel. Die dunkle Wolke begann sich zu entladen. Sie sog die Luft ein und bewegte ihre Hände. Ein Hindernis stellte sich ihr in den Weg und verhinderte das Strecken ihrer Arme. Die Luft um sie wurde schwer und sie klopfte gegen die Wand, nur um sicher zu gehen. Ein dumpfer Ton. Holz.

 

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